Durban – TRE® Initiative – NEIN zu Fremdenfeindlichkeit und Gewalt

Es war sicher auch in Deutschland in den Nachrichten – die Ausschreitungen, Pluenderungen und sinnlose Gewalt von Suedafrikanern (hier in Durban zu 90% Zulus) gegen Afrikaner aus anderen Laendern, die in Suedafrika leben, teils mit, teils ohne Aufenthaltsgenehmigung oder mit Fluechtlingsstatus. Menschen aus Zimbabawe und Malawi haben den groessten Anteil, aber auch aus Somalia, Sudan und Kongo sind viele nach Suedafrika gekommen.

Ich beteilige mich natuerlich an der Diskussion des ‚warum‘ und ‚was tun‘, wobei die Medien Fluch und Segen zugleich sind – aber hier und heute geht es mir nicht um’s diskutieren. Ich moechte Euch lieber einen Eindruck von der Situation geben, wie ich sie erlebt habe.

Viele tausend Menschen sind durch Angriffe und Drohungen aus ihrem Leben herausgerissen worden und trauen sich nicht mehr in ihre Wohnungen zurueck – die Angst geht um. Die Stadt Durban hat auf die Situation reagiert und auf verschiedenen Freiflaechen der Stadt, meist Stadien, Zelte aufgebaut. Das Rote Kreuz, verschiedene Hilfsorganisationen und die Gemeinden versuchen gemeinsam mit Stadtverwaltung und Innenbehoerde, eine Loesung zu finden und die Menschen wenigstens voruebergehend zu versorgen.

Ich hatte Gelegenheit, in eines dieser improvisierten Lager zu fahren um vor Ort zu sehen, was getan werden kann – und ob und wie wir mit TRE helfen koennen.

Meine Freundin und Kollegin Liza hatte einen Kontakt in einem dieser Camps und vereinbart, dass wir ein Zelt aufstellen koennen. Die Verantwortlichen des Medizinischen Dienstes im Camp wussten Bescheid. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten, sprachen wir zuerst mit den diensthabenden Krankenschwestern und Aerzten – und luden sie zu einer TRE Session ein. Wenig spaeter fuehrten wir drei Krankenschwestern und zwei Sanitaeter durch TRE. Es war noch frueh am Morgen und es gab nicht viel zu tun fuer sie, so dass sie Kollegen sagten – Geht nur, wir machen das hier schon.

Wir gaben ihnen Broschueren und baten sie, unsere Arbeit weiter zu empfehlen. Sie waren – obwohl manche skeptisch gewesen waren – sehr beeindruckt von TRE. Alle fuehlten sich entspannter und leichter.

Es war nicht einfach, Zugang zum Camp zu bekommen. Alle Versorgungszelte standen ausserhalb und der Zaun wurde bewacht. Es wurde genau kontrolliert wer hinein und hinaus darf. Aber es war ein staendiges Kommen und Gehen, lange Reihen von Wartenden, die zur Registrierung gehen mussten, in der Sonne stehen, stundenlang.

Organisationen und Privatleute brachten Hilfsgueter die ausgeladen, sortiert und verarbeitet oder verteilt wurden. In einer Feldkueche wurde in riesigen Toepfen auf riesigen Gasoefen fuer 2000 Menschen Essen zubereitet. Fast haetten wir aufgegeben, denn man wollte uns nicht ins Camp lassen und niemanden hinaus.

Aber natuerlich war es nur eine Frage den richtigen Ansprechpartner zu haben und nachdem wir das geschafft hatten, konnten wir kleine Gruppen von 6 bis 8 Menschen aus dem Camp zu uns holen.

Die Verstaendigung war immer irgendwie moeglich, einige sprachen ein recht gutes, die Menschen aus Zimbabwe ein sehr gutes Englisch. Wir sahen schnell, in welchem Zustand sie waren, uebernaechtigt, traumatisiert, hungrig und angespannt. Manche hatten gehofft, wir wuerden ihnen Nahrung oder Kleidung geben und sie fragten uns danach. Wie lernten daraus, am naechsten Tag kleine Einheiten von Nahrung und Kleidung im Zelt zu haben.

Das Zelt war rundherum geschlossen, niemand konnte hineinsehen. Im Inneren hatten wir Wolldecken ueber das Gras gelegt, es sah freundlich und ruhig darin aus.

In 5 Tagen konnten wir einige Gruppen durch TRE fuehren. Manche kamen zweimal – andere waren am naechsten Tag schon nicht mehr im Camp – es fuhren taeglich Busse nach Malawi und Zimbabwe. Am zweiten Tag wurden alle Frauen und Kinder in ein anderes Gebaeude verlegt und bevorzugt in die Busse gesetzt – nun hatten wir fast nur junge und aeltere Maenner in den Gruppen. Wir wurden Experten darin, in einfachen Worten zu erklaeren und abzuschaetzen, wie lange jeder Einzelne auf der Decke liegen sollte. Manche schliefen ein und wir liessen sie eine Weile schlafen. Sie waren sehr dankbar, dass wir sie wahrnahmen, nach ihren Namen fragten und jeden einzeln betreuten. Einige versicherten uns, dass sie von der Kraft des Zitterns wissen, von ihren Muettern und Grossmuettern, den Hebammen.

Das Camp leerte sich schnell, die Meisten fuhren in ihre Heimat. Manche waren froh, andere entschieden sich, doch in Durban zu bleiben. Vorausgesetzt sie hatten eine Aufenthaltsgenehmigung, dann durften sie bleiben. Am Ende der Woche vereinbarten wir mit dem medizinischen Dienst, in Kontakt zu bleiben.

Mittlerweile habe ich Kontakt zu einer Organisation die im Diakonia Haus in Durban Hilfe und Begleitung fuer Fluechtlinge anbietet. Die Verantwortlichen und Helfer moechten sehr gerne selbst TRE ausprobieren, sie sind auch sehr belastet, koerperlich und emotional. Ich habe zugesagt, dass ich ein TRE Intro organisiere wenn sie uns einen geeigneten Raum beschaffen und uns ein Datum nennen. Es ist eine NGO, eine non-profit NGO und dort ist kein Budget fuer die Gesundheitsvorsorge der Angestellten und Freiwilligen Helfer vorhanden. Aber wir werden einen Weg finden, diese Gruppen zu halten und vielleicht sogar jemanden in TRE auszubilden.

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