Was ist TRE (Trauma Release Exercise) ?

David Berceli Ph.D.

 David Berceli ist ein weitgereister Mann der sein Heimatland schon als junger Mann verlassen hat um sich auf der Welt umzusehen. Er hat in Kriegs – und Katastrophengebieten gelebt und gearbeitet. Er hat beobachtet, wie Menschen verschiedenster Kulturen und Sprachen mit traumatischen Situationen umgehen, wie sie sich selbst helfen wenn keine Hilfe von aussen kommt und wie lange es dauert, bis sie wieder ein normales Leben fuehren.

Seine Erkenntnisse sind bahnbrechend im Verstaendnis von Trauma – wobei Trauma natuerlich nicht nur einen psychologischen Zustand beschreibt sondern auch jegliche innere und aeussere Verletzung des Koerpers. 
 
Traumatische Erlebnisse werden definiert als eine Reiz- und Sinnesueberflutung auf die der Koerper mit Schutzmechanismen reagiert. (Muskelkontraktionen und die vermehrte  Ausschuettung von koerpereigenen Stoffen) Diese sind nicht bewusst steuerbar und nur bedingt zu beeinflussen und gelten fuer alle Menschen ueberall. Individuelle Unterschiede in der Reaktion auf die Ausschuettung von Adrenalin, Dopamin, Serotonin und anderen Stoffen gibt es natuerlich und auch der koerperliche Gesamtzustand spielt eine Rolle. Die  Faehigkeit zur Rationalisierung – also dem Einordnen und Bewerten des Sinneseindrucks waechst auch mit dem Alter. Kinder besitzen zum Beispiel nicht den Schutz den Rationalisierung bietet, denn sie erwerben die Moeglichkeit ‚zu sich selbst zu sprechen‘ erst langsam mit dem Erlernen der Sprache und dem Benennen und Einordnen dessen, was sie sehen, hoeren und fuehlen.
 
Alle Menschen lernen, die Sinneseidruecke die wir von unserem Koerper empfangen – Schmerzen sind nur ein kleiner Teil davon – zu interpretieren. Wir wissen zum Beispiel wo wir Schmerzen fuehlen und unterscheiden die Art der Schmerzen. Was wir ‚Gefuehle‘ nennen sind immer zuerst koerperliche Empfindungen die interpretiert und mit einem Etikett versehen werden – Trauer, Angst, Wut und Freude sind ein paar Beispiele. Weil diese Gefuehle auch unkontollierbare Reaktionen und Assoziationen hervorrufen koennen und in verschiedenen Kulturen sehr verschiedene Regeln herrschen was das Zulassen dieser Reaktionen betrifft  ist oftmals schon im fruehen Kindesalter eine gewisse Furcht mit einigen Gefuehlen verbunden. In der Tat verbringen wir viel Zeit und Aufwand damit, unseren Kindern unkontrollierten Reaktionen ‚abzugewoehnen‘ – sie sozial vertraeglich zu machen. (Die Deutschen sind sehr gut darin sage ich mal – und gruendlich.) 
 
David Berceli beobachtete das EINE BESTIMMTE Reaktion auf traumatische Erlebnisse ueberall auf der Welt dieselbe ist – es ist ein neurologisch bedingtes ‚Zittern‘, in der Bandbreite von leicht bis stark, immer beginnend in den Beinen und dem unteren Ruecken und Beckenbereich. Viele Menschen in anderen Teilen der Welt ‚erleben‘ diese Reaktion als ’normal‘ und unterdruecken sie nicht, in der westlichen Welt wird sie oft unterdrueckt oder sogar mit der Gabe von Medikamenten verhindert. 
Dieses Video gibt Ihnen einen Eindruck des neurogenen Zitterns, mit einem Kommentar von David Berceli.


Berceli fand, das diese Reaktion eine ‚Selbstheilung‘ des Koerpers ist. Er ist von Beruf Chiropraktiker und entwickelte im Laufe der Zeit mit Hilfe von Kollegen aus dem Bereich der  Neurologie eine Serie von Uebungen die genau dieses ‚Zittern‘ hervorrufen. Es funktioniert bei jedem Menschen, egal wie alt und aus welcher Ecke der Welt. Diese Uebungen loesen zuerst einmal eine akute oder chronische Muskelverkrampfung in den Psoas – Muskeln. Diese Muskelgruppe koennen wir nicht bewusst steuern, sie sitzt rund um das Becken und den unteren Ruecken und sorgt fuer eine Menge wichtige Dinge: Aufrechten Gang, gerade Schultern, die Stellung der Beine und der Wirbelsaeule. Wir ‚benutzen‘ sie nicht nur voellig unbewusst, wir nehmen ihre Verspannung auch nur indirekt wahr. 
 
Das von den (leichten) Uebungen hervorgerufene ‚Zittern‘ beginnt in den Oberschenkeln und im Beckenbereich, setzt sich aber mit vermehrtem Anwenden der Methode fort  und erfasst die Schultern und Arme, die Beine und Fuesse. Es beginnt eine Lockerung und Neuausrichtung des ganzen Koerpers. Ich habe zusammen mit ca 80 Personen im Laufe des Seminars 8 TRE Sessions gemacht.  Ueberrascht und staunend sahen wir, das der Koerper eine genaue ‚Erinnerung‘ an traumatisierte Bereiche hat und die unwillkuerlichen Bewegungen zuerst genau an die mehr belasteten Stellen (Operationsnarben, alte Verletzungen jeglicher Art, die Quellen von chronischen Schmerzen oder Verspannungen) ’schickt‘. Waehrend die Art und Weise des Zitterns nicht steuerbar ist kann man es trotzdem jederzeit unterbrechen oder abbrechen, falls man moechte. Und nach maximal einer Viertelstunde ist es meist abgeklungen und hoert von alleine auf. Trauma – was geschieht da mit uns ? 
 
Der bewusste ‚Verstand‘ (100 % steuerbar und in Kontrolle) wird in einer traumatischen Situation zu unserem eigenen Schutz temporaer ausgeschaltet und an seine Stelle treten Ueberlebensimpulse – zuerst ‚Flucht‘, wenn das unmoeglich ist, die Option ‚Kampf‘. Wenn beide Optionen nicht moeglich sind – wie bei Kindern fast immer – gibt es drei weitere ‚Hyperreaktionen‘ des Koerpers die entstehen weil der Organismus nun auch von den ausgeschuetteten chemischen Stoffen (die Flucht und Kampf ermoeglichen indem sie z.B Adrenalin und Dopamin ausschuetten, Energie und vermindertes Schmerzempfinden) ueberflutet wird. 


Die drei Reaktionen sind: 
1. Erstarrung
Bewegungsunfaehigkeit, flacher Atem, Verkrampfung der Muskeln bis zum ausgepraegten Schmerz, geschlossene Augen und Ohren, verminderter Tastsinn (beim Tier vergleichbar mit ‚Totstellen‘) 
2. Ueberflutung. 
Ausbruch von Gefuehlen in Form von Traenen, Schluchzen, Zittern, ‚rot sehen‘, treten, umfallen, Schlagen in jeglicher Form – Kopf an die Wand, Haende und Fuesse etc.. Was wir in ‚Agression‘ und ‚Hysterie‘ unterteilen liegt in Wahrheit auf derselben Linie.
3. Dissoziation
Teilung/Trennung: Die bewusste Wahrnehmung von Gefuehlen (also koerperlichen Empfindungen) wird ganz oder teilweise unterbrochen, die normale Uebertragung der Nervenempfindungen fuer Hunger und Durst, Erinnerungsvermögen,Schmerz, Angst und sogar der Wahrnehmung der eigenen Person und/oder der Umgebungfindet nicht mehr statt. 
 
Diese physiologischen Zustaende haben psychologische Auswirkungen –  traumatische Erlebnisse werden nicht mehr in einem Zusammenhang – als Ablauf – wahrgenommen sondern gar nicht oder in Bruchstuecken die in keinem Zusammenhang stehen, also vom Bewusstsein nicht eingeordnet werden koennen. Das ‚Ich‘ als Bewusstsein ist aber immer bemueht, Zusammenhaenge herzustellen und alles zu kategorisieren und diese ‚Fetzen‘ von Eindruecken stellen es vor eine Aufgabe, deren Loesung schwer ist und mitunter lange dauert. 


Die unbewussten Loesungsversuche des Bewusstseins stellen uns wieder vor Probleme, obwohl sie letztendlich zur Aufloesung und Verarbeitung des Traumas dienen. Beispiel:
Wann immer der traumatisierte Mensch sich in einer aehnlichen Situation befindet – und Ausloeser koennen Sinnesempfindungen wie Geruch oder Geraeusch oder visuelle Eindruecke sein oder komplexe Situationen wie bestimmte Umgebungen oder Gesichter – wird der Versuch gestartet, diese wiedererkannten Bruchstuecke einzuordnen. Dazu ruft das Bewusstsein aus den Unterbewusstsein die gleichen Empfindungen auf, die der Mensch damals hatte und ‚testet‘ sie in der neuen Situation. So kann es vorkommen, das die automatische Reaktion des Menschen viel taerker ist als es der tatsaechlichen Situation angemessen ist. Beispiel: Ein Kind das einmal von einem Hund gebissen wurde hat nun immer Angst vor allen Hunden, eine Frau ekelt und/oder fuerchtet sich vor allen Menschen die nach Alkohol riechen oder ein Mann muss gegen Agressionen oder Fluchtreflexe kaempfen wenn er ein bestimmtes Geraeusch hoert. In dem andauernden Versuch des Bewusstseins zu Wiederholen  – um eine Einordung zu erreichen – kann es geschehen das man unterbewusst Situationen hervorruft oder sucht, die genau dies ermoeglichen. Das ist unter Umstaenden  eine tragische Tatsache –  es kann bedeuten, das jemand, der durch koerperliche Gewalt traumatisiert wurde (meist bevor er rationale Abwehrmechanismen e.g. ein stabiles Ich – Bewusstsein entwickelt hat) selbst zum Gewalttaeter wird oder es geschehen laesst, das er wieder misshandelt wird. Es ergeben sich in aehnlichen Situationen wiederkehrende Muster die man sich zwar bewusst machen, aber nicht effektiv steuern oder ganz verhindern kann. Der Einfluss des Unterbewusstseins ist dem Bewusstsein letztendlich immer ueberlegen und die Aufloesung und Einordnung wird vom Unterbewusstsein erzwungen – sie ist fuer eine Heilung unabdingbar.
 
Es hat sich im Laufe der Anwendung von TRE deutlich gezeigt, das die hervorgerufenen Vibrationen sich ueber die Nervenbahnen bis ins Zwischenhirn auswirken und ueber die Wiederholung von im Koerper ‚erfahrenen‘ also ‚erinnerten‘ Zustaenden eine Aufloesung – (Befreiung, Entlassung) bewirken OHNE das das Trauma ins Bewusstsein gerufen – also wiederholt  – werden muss.  Menschen, die nach einem traumatischen Erlebnis das neurologische Zittern zulassen und durchleben und (bei rein psychologischen Traumata die nicht mit einer schmerzhaften Verletzung des Koerpers einhergehen) sofort dazu uebergehen, ihren Koerper wieder kontrolliert zu steuern und zu benutzen gesunden koerperlich und seelisch wesentlich schneller als Menschen die das Zittern unterdruecken, mit Medikamenten verhindern, ihren Koerper ’schonen‘ und sich mental ‚aus der Gegenwart entfernen‘.
 
‚Geerdet‘ sein = Heilung = durch Bewegung und ’normale‘ also bekannte Sinneseindruecke die das Bewusstsein einordnen kann seinen Koerper baldmoeglichst wieder zu spueren. Bewegung ermoeglicht auch, den Ueberschuss an ausgeschuetteten Stoffen durch den Stoffwechsel schneller wieder abzubauen.
David Berceli berichtet von unzaehligen Erlebnissen, in denen Menschen in Kriegssituatonen oder nach Naturkatastrophen schnell und mit erstaunlicher Widerstandsfaehigkeit und Energie wieder in die Normalitaet zurueckfinden – koerperlich und seelisch. Er selbst hat im Krieg zwischen Aethiopien und Eritrea und im Sudanesischen Buergerkrieg mit den Menschen zusammen in Ausnahmesituationen gelebt. 
 
Es verwundert auch nicht das TRE in Laendern wie China (wohin er mehrfach nach Erdbeben und anderen Naturkatastrophen gereist ist), Brasilien, dem Libanon, Israel und einigen afrikanischen Laendern bekannter ist als in Westeuropa. Hinzu kommt, das Westeuropa seine wissenschaftlichen Kriterien was die Gesundheitsvorsorge und Krankheitsbehandlung angeht noch nicht der neuesten Forschung angepasst hat. Die Pharmazeutische Industrie und die nach ‚klassischer‘ Medizin ausgebildeten Fachleute sind eine Kraft, die Erneuerung behindern und den Status Quo erhalten wollen – die Trennung von Aerzten in ‚Spezialisten‘ fuer bestimmte Krankheitskategorien. 
 
Mit TRE kann man sich selbst helfen, es ist potentiell kostenlos zu haben, es sind keine Medikamente noetig und jeder kann es lernen. Also besteht erst einmal nur dort ein Interesse wo die Not gross und andere Mittel nicht vorhanden sind. Die Moeglichkeiten von TRE sind aber noch lange nicht erschoepft, eine wissenschaftliche Untersuchung der Methode laeuft in Amerika gerade erst an. Dort hat Berceli erfolgreich mit Irak und Afghanistan – Heimkehrern der Streitkraefte gearbeitet die teilweise unter anderweitig nicht behandelbaren Post Traumatischen Stoerungen litten. Ebenso laufen dort Langzeitstudien mit Polizisten, Rettungssanitaetern, Angestellten der Feuerwehr und anderen Menschen die in Katastropeneinsaetze geschickt werden. Auch hier in Suedafrika hat er mit Polizisten und Soldaten erfolgreich gearbeitet sowie im Sudan und dem Kongo TRE bei der  Resozialisierung von Kindersoldaten eingesetzt. nd Oktober diesen Jahres in den Erdbebengebieten von Japan, Birma und Neuseeland.

 

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